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Hospizverein Neuburg
Neuburg, 11.12.2017 - 21:52 Uhr
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Hospizverein Neuburg

Interview mit 1. Vors. Johanna Scheuermeyer

Schwerstkranke und sterbende Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten - unabhängig von deren Konfession, Nationalität oder sozialer Stellung, das hat sich auch der Neuburger Hospizvein zur Aufgabe gemacht. Historisch geht die Tradition der Hospizbewegung zurück in die Frühzeit des Christentums. Im Mittelalter gab es entlang der christlichen Pilgerstraßen viele Hospize, die von Ordensleuten erbaut wurden. Hier fanden die müden, leidenden und oft auch sterbenden Menschen Hilfe und Schutz.

Den Tagen mehr Leben geben
"Den Tagen mehr Leben geben, nicht dem Leben mehr Tage", war der Grundsatz der Begründerin der modernen Hospiz- und Palliativbewegung, Cicely Saunders (1918-2005). Sie gründete 1967 in London das erste stationäre Hospiz der Neuzeit, das berühmte "St. Christopher`s Hospice". Ihr größtes Anliegen war es, neben einer liebevollen und verständnisvollen Begleitung die Sterbenden auch so weit als möglich schmerzfrei zu halten. Sie bemühte sich deshalb mit ganzem Einsatz um die Weiterentwicklung der Palliativmedizin, der Schmerzlinderung.

Wie sieht die Sterbebegleitung aus?
"Wir drängen uns nicht auf, wir kommen nur auf Wunsch des Kranken und seiner Angehörigen. Auch das Krankenhaus oder Pflegeheime bitten uns um unsere Unterstützung. Ich führe dann mit den Betroffenen bzw. den Angehörigen oder den Pflegenden ein Erstgespräch, um den Hilfebedarf festzustellen. Wir sind keine Pflegekräfte. Wir beraten und unterstützen die Angehörigen bezüglich Patientenverfügung, Pflegehilfsmittel usw. Wir entlasten die pflegenden Angehörigen in so fern, indem wir je nach vereinbarter Zeit, für die Kranken und Sterbenden da sind, damit die Angehörigen unbesorgt auch mal außer Haus gehen können. Wir führen Gespräche, lesen etwas vor, geben etwas zum Trinken oder halten einfach nur die Hand. Wir wollen dem Sterbenden das Gefühl vermitteln, dass er in den Wochen,Tagen und Stunden vor seinem Lebensende nicht allein ist."

Persönliche Beziehung
"Oftmals meinen die Angehörigen, Sie können uns erst einschalten, wenn bereits die Finalphase beginnt. Aber es ist für den Betroffenen nicht gut, wenn dann plötzlich ein fremder Mensch neben ihm sitzt, den er vorher noch nie gesehen hat. Besser ist es, wenn wir rechtzeitig geholt werden. Ich begleitete mal einen älteren Herrn - er war ein „austherapierter" Krebsspatient, bei dem der Sterbeprozess fast ein Dreivierteljahr dauerte. Er war sehr gut Schmerzmitteln versorgt und hatte dadurch noch eine gute Lebensqualität. Wir haben oft zusammen gelacht und manchmal auch geweint. Wenn die Besuche über einen längeren Zeitraum gehen, lernt man sich viel besser kennen und kann dann auch besser auf die Bedürfnisse des Sterbenden eingehen. Sterbebegleitung ist etwas ganz Intimes und Persönliches. Im Sterben ist jeder Mensch so wie er ist, ohne Maske und ohne Falsch."

Geliebte Oma früh verloren
Das Thema Sterben und Tod hat Johanna Scheuermeyer schon immer bewegt, lange bevor sie Vorsitzende des Hospizvereins wurde. Als sie 21 Jahre alt war, starb ihre 92-jährige Oma, die sie sehr liebte und achtete. "Als Sterbebegleiterin habe ich damals versagt", meint sie. "Ich hielt es einfach nicht bei ihr aus, weil es mir so fürchterlich weh tat, sie zu verlieren und nicht helfen zu können." Als 1968 Elisabeth Kübler-Ross' erstes Buch "Interview mit Sterbenden" erschien, hat sie dies "regelrecht verschlungen". Und als1997 ein kleiner Artikel in der Zeitung stand, dass in Neuburg ein Hospizverein gegründet wurde und Mitglieder und Hospizbegleiter gesucht würden, war das für Johanna Scheuermeyer der Auslöser. Seitdem ist sie dabei.

80.000 ehrenamtliche Hospizhelfer
In Deutschland gibt es etwa 162 stationäre Hospize und über 1500 ambulante Hospizinitiativen mit über 80.000 freiwilligen, ehrenamtlichen Hospizhelfern. Der Neuburger Hospizverein wurde 1997 gegründet. Er hat inzwischen 80 Mitglieder, davon 24 geschulte Hospizhelfer, die in einer, ca. 9 Monate dauernden Schulung (140 Stunden) intensiv auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden. "Unsere Hospitzbegleiter sind Idealisten und mit viel Herzblut dabei. Sie schenken dem Sterbenden etwas sehr Kostbares, nämlich ihre Zeit. Sie arbeiten alle ehrenamtlich." Da sie im ganzen Landkreis ND-SOB tätig sind, übernimmt der Verein ihre Fahrtkosten. Auch für die jährlichen Fort- und Weiterbildungen kommt der Verein auf, ebenso für die notwendigen Supervisionen. "Der Hospizverein trägt sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Über weitere Mitglieder würden wir uns sehr freuen", erklärt die Vorsitzende.

"Der letzte Akt"
"Eigentlich machen wir nicht Sterbebegleitung, sondern Lebensbegleitung", erklärt Johanna Scheuermeyer, "denn der Mensch, den wir begleiten, ist ja noch nicht gestorben. Bis zu seinem letzten Atemzug versuchen wir, es ihm so angenehm wie möglich zu machen." Der letzte Akt, bevor es auf der anderen Seite in die Ewigkeit geht? "Jeder hat hier seine eigene Ansicht, wie und ob es nach dem Tod weitergeht. Wir lassen hier jeden bei seiner eigenen Vorstellung. Es ist noch nie jemand zurück gekommen, der uns erzählen könnte, was nach dem Tod tatsächlich passiert. Ich selbst gehöre zu den Menschen, die davon überzeugt sind, dass es ein Weiterleben nach dem Tod gibt, wie auch immer das sein wird. Ich habe da gar keine großen Vorstellungen. Aber sicherlich ist es nicht so, wie es uns gelehrt wurde. Ich denke nur, dass es nachher in irgendeiner Form weitergeht.

Trauer-/Lebenscafe
Seit zwei Jahren bietet der Hospizverein auch ein "Lebenscafe" für trauernde Angehörige im Gemeindesaal der Christuskirche an. Es findet großen Anklang bei den Trauernden. Hier dürfen sie alles da lassen. Sie finden nicht nur Hilfe und Unterstützung durch die beiden geschulten Trauerbegleiterinnen, sondern erfahren auch Hilfe und Trost untereinander.

Stationäres Hospiz in Ingolstadt
Neben den ambulanten Hospizvereinen gibt es in größeren Städten inzwischen auch stationäre Hospize, seit letztem Jahr auch in Ingolstadt, das den Bedarf für die Region 10 mit Ingolstadt, Neuburg, Eichstätt und Pfaffenhofen abdeckt. Dort können Schwerstkranke ihre letzten Wochen und Tage vor dem Tod in bestmöglicher medizinischer, therapeutischer und pflegerischer Versorgung, in der Regel schmerzfrei verbringen. Die Kosten hierfür übernehmen meist Krankenkasse und Pflegekasse, was jedoch vorher abgeklärt werden muss.

Wer sich ehrenamtlich engagieren oder den Neuburger Hospizverein finanziell durch eine Mitgliedschaft oder Spende unterstützen möchte, kann per Tel. 08431/4364061 oder 0175/8347974, E-Mail hospiz-neuburg@online.de Kontakt aufnehmen. Weitere Infos findet man unter www.neuburger-hospizverein.de


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